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Über Tania Raschied

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geb. 1958 in Suleimaniya, Kurdistan, Irak

Tania Raschied beschäftigt sich schon lange mit Fotografie. Ihr künstlerischer Blick
entdeckt im täglichen Leben viele kleine Details, die anderen verborgen bleiben. Mit Ihren
Bildern lädt Sie ein, sich aufs Leben, aufs Jetzt einzulassen und die Schönheit im
Alltäglichen zu entdecken. Schwerpunkt Ihrer Arbeit sind Reiseimpressionen, Naturmotive und Makroaufnahmen.

Tania Raschied trägt die Liebe zu abstrakten Gemälden in sich und setzt diese in ihren Fotografien gekonnt um. Mit ihrem sicheren Gespür für außergewöhnliche Bilder, werden ganz alltägliche Motive auf besondere Art in Szene gesetzt. Spuren auf Hauswände, alte Türen, Farbspuren auf Gläsern u.v.m. erweckt das Auge der Künstlerin zu neuem Leben.

Die Fotos von Tania Raschied sind ungewöhnlich, obwohl sie Gewöhnliches darstellen. Ihre Motive sind Spuren des Lebens, die zu abstrakte Kompositionen geworden sind. Durch ihre besondere Art des Sehens verhilft uns Tania Raschied die Schönheit darin zu sehen, indem sie sie aus ihrer Umgebung herausschält und allein der Betrachtung preisgibt.

Durch die Montage der Fotos auf Holz und die Rahmung in Schattenfugen, wir die Illusion von abstrakten Gemälde noch verstärkt.


Ulrich Gansert über Tania Raschied

Malerei als Fotografie und Fotografie als Malerei, die Verschmelzung und Integration beider Medien in einer Synthese ist das Konzept der künstlerischen Arbeit von Tania Rashid. Lange Zeit war die Malerei das einzige bildgebende Medium der Menschen. Seit der Entwicklung der Fotografie hat sich ein spannungsvoller Dialog zwischen den beiden Disziplinen entwickelt und die Arbeit von Tania Rashid bewegt sich genau in diesem sowohl konfliktvollen als auch fruchtbaren Feld.

Ihre Bilder sind abstrakt und enthalten zugleich real die Aspekte der Wirklichkeit des menschlichen Lebens. Sie fotografiert in Städten verschiedener Länder und Regionen Spuren und Zeichen auf den öffentlichen Wänden und Mauern der Häuser. Es entstehen farbig malerische Kompositionen von großer Einfachheit, aber auch solche mit hoher Komplexität und einer Vielfalt von sich überlagernden Strukturen und Zeichen, vielleicht aus ganz verschiedenen Momenten des Zeitstroms, denn meistens ist der Bildinhalt eine Kombination aus jenen von Menschen gemachten Schriften, Hinweisen und Symbolen und den Einwirkungen der physikalischen Kräfte der Natur, welche die Oberflächen zermürben, langsam auflösen und durch Sonnenlicht, Frost, immer wieder aufgewirbelten Straßenstaub oder Regenwasser verändern. Es ist diese Ganzheit, die den Impetus ihrer Bilder ausmacht, das Ineinander von unverwechselbarer menschlicher Aktivität, menschlicher Entäußerung und Kommunikation aus ganz bestimmten Zeitmomenten an topographisch ganz bestimmten Stellen und den Einwirkungen der Zeit, der nagenden und unabwendbaren Veränderung von Allem auf der Welt in einer malerischen Synthese.

Tania Rashid interessiert sich in ihren Bildern aber nicht für jene auftrumpfenden Okkupationen des öffentlichen Raumes, der öffentlichen Flächen und damit des menschlichen Gesichtsfeldes durch politische oder kommerzielle Werbung oder den Selbstdarstellungen von Sprayern in ihren Graffitis. Hier ist ja immer das Prinzip bestimmend, die Aufmerksamkeit des Betrachters vollkommen in Anspruch zu nehmen und gerade damit die magische Vielfältigkeit des Lebens zu verdrängen und zu negieren.

Sie findet ihre Motive im Zusammenspiel von Gewohntem und Ungewöhnlichem, in der Alltäglichkeit, den Spuren auf Hauswänden oder der Erosion, den Rissen und Sprüngen im Material einer alten Holztür oder den Fragmente einer Kletterpflanze, die sich einst an einer Wand hochrankte, wenige von ihr übrige Fruchtstände ergeben ein kostbares Ornament im Bild. Manche Bilder sind monochrom ockerfarben, wie die Städte im Orient mit ihren sonst, vor der Verwendung von Beton, atmenden weichen und rauen Hauswänden, mit der Hand der Bauleute geformt aus Lehm und Sand in der Farbe der Erde der die Stadt umgebenden Landschaft. Auf der Rauigkeit dieser Oberflächen finden sich Zeichen, mit beiläufiger Routine hingeschriebene Mitteilungen für die Beteiligten, vielleicht haben sie mit der Gasversorgung oder der Elektrizität zu tun, ohne ästhetischen Anspruch und doch für den aufmerksamen Blick voller Schönheit, gesättigt mit einer spürbaren Tradition der Kalligraphie. Wie tänzerisch streben die rätselhaften Buchstaben auf der Wand und durch den Raum der matten Farbe und sind zugleich ein Paradigma der gestischen Expressivität im Sinne der modernen Malerei.

Damit ist die Offenheit für das Erlebnis der Situation, die sensible Aufmerksamkeit, die Auswahl und die Entscheidung der künstlerische Weg in diesen Bildern mit zahlreichen Verweisen im Spannungsfeld von Farben, Oberflächen, Strukturen und Zeichen. Damit sind die Bilder wie autonome Malerei im Kontext der Abstraktion und zugleich Dokumente einer multikulturellen Stadtkultur. Denn entstanden sind die Bilder alle aus dem persönlichen Erlebnis der menschlichen Realität in ganz verschiedenen Städten Europas und des Orients. Tania Rashid lebt und arbeitet in Wien, sie hat ihre Wurzeln in Suleymaniya in Kurdestan, in ihren Bildern gibt es Motive aus Erbil, aus Khanaqin und Kirkuk im Irak, aber auch aus europäischen Städten, aus Paris oder auch aus Skandinavien..

Aus normalerweise vollkommen unbeachteten Details des städtischen Umfeldes unserer Gegenwart gewinnt Tania Rashid ihre Kompositionen. Wie rätselvolle Hieroglyphen ziehen die Zeichen einer Botschaft über das farbige Feld einer Mauer. Sie überlagern sich, offensichtlich zu ganz verschiedenen Anlässen geschrieben, auf einer dünn mit weißer Farbe übertünchten rostroten Ziegelmauer oder auf einer zwischen Ocker und Lachsrosa schwebenden Wand ziehen schwarze Schriftzeichen und Pfeile quer durch den Raum, kleine Papierschnipsel, Reste von abgerissenen Plakaten bilden subtile graphische Kontraste dazu. Ein das ganze obere Bildfeld ausfüllender, zwischen einem Hellblau und Türkis liegender Anstrich kontrastiert mit dem matten Ocker im unteren Bildteil. Unter den aktuelleren Farbschichten bildet die fein gezeichnete Verwitterung früherer Oberflächen mit abgeblätterten Stücken eine zarte graphische Struktur. In einem anderen Bild strahlt ein dunkel leuchtendes Blau durch diagonal verschränkte Gitterstäbe, sie bilden eine rautenförmige Struktur und ein Vorhangschloss ist der punktuelle Akzent.

In einem Bild mit dominierender Materialwirkung sind geheimnisvolle Zeichen tief in die Mauer geritzt. Sie bilden zusammen mit den drei Farben Grau, Weiß und Ocker  ein malerisches Feld wie in manchen fast monochromen Bildern von Jean Dubuffet. Oder grauschwarze Punkte und Flecken, wie ein eigentümlicher Bewuchs von Algen oder von dunklem Schimmel auf der helleren grobkörnigen Wand ergeben ein zartes malerisches Feld.

In manchen Bildern kommen leuchtende Farben zu starker Dominanz. Ein weich aufleuchtendes sonores Rot kontrastiert mit einem Blau und Schwarz oder ein türkisfarben gestrichenes Metall steht neben der warmen Farbe des Holzes einer Türe, die Zeichnung der Äste steht im Dialog mit hellglänzenden Schrauben. In einem anderen Bild ist das geheimnisvolle Wort Mumie zusammen mit einer Zeichnung in weißer Farbe auf einem mürbe abblätternden Teil der Mauer zu sehen, oben zeigt ein leuchtendes Orange die körnige Struktur des Wandverputzes. Durch Verrostungen oder Verletzungen der Oberflächen entstehen Zeichen und werden zu sprachlosen Hinweisen auf das stille Drama des Vergehens der Zeit. Manchmal steigern sich diese Spuren zu dominierenden Akzenten im Bild, wenn ein Portrait aus einem vergangenen Wahlkampf durch Abkratzen von der Wand entfernt werden sollte und damit ein  perfektes Beispiel der gestischen Malerei entstanden ist.

Andere Strukturen in diesen Bildern entstehen aus der vielfältigen Überlagerung und dem Abreißen vieler Schichten Papier von alten Plakaten auf Wänden. Aus dem fragmentierten Miteinander entstehen komplexe Zusammenfügungen von geometrischen mit amorphen Strukturen und tonig-matten mit leuchtend bunten Farben. Die Reste von Buchstaben und Schriften ergeben weitere Akzente und komplettieren die Kunst der Decollage.

Von diesem Mit- und Ineinander der Spuren menschlicher Aktionen, Entscheidungen,  Gedanken und Botschaften, entstanden in einem bestimmten Moment und den Einwirkungen der Natur mit ihren oft unendlich langsamen und dann wieder abrupten Einwirkungen und Einflüssen ihrer Kräfte auf diese menschliche Welt sprechen die Bilder von Tania Rashid.

Die Fotografie erzeugt im Bruchteil der Sekunde auf technischem Weg Bilder von einmaligen Situationen als Ausschnitt aus dem Gesichtsfeld des Menschen. Der französische Philosoph und Medientheoretiker Roland Barthes spricht in seiner Analyse der Fotografie „Die helle Kammer“, vom Punktum, der Einmaligkeit, als dem eigentlich bestimmenden Moment der Fotografie. Dagegen erzeugt die Malerei als entschleunigtes Medium auf charakteristisch langsame Weise mit verschiedenen Materialien und handwerklichen Methoden Sinnbilder der menschlichen Existenz und Identität. In ihrer künstlerischen Arbeit hat Tania Rashid die Eigentlichkeit beider Medien miteinander verbunden und aus berührenden Momenten und Erlebnissen am Rande der Straßen Bilder voller poetischer Expressivität gewonnen.


Ausstellungen:

2010 Ausstellung „Kurdistan – Impressionen und Begegnungen“, VHS 3, Wien
2011 Ausstellung „Spuren“, Atelier Josef Bernhardt, Forchtenstein
2013 Ausstellung „Fotografie heute“ Ausstellungssaal Kultur im 3.
2014 Ausstellung Museum Sulaimaniyya/Irak
2014 Ausstellung Galerie Runakbiry, Khanaqin/Irak
2014 Ausstellung Künstlerhaus, Kalar/Irak
2014 Ausstellung Die Magie des Alltäglichen im Rahmen der Veranstaltung „Eyes On –
Monat der Fotografie
2014 Ausstellung Spuren, VHS Landstraße 1030 und 1220, Wien
2014 „3+2“ Weinhauer [Haus], Gumpoldskirchen
2015 „Pariser Spuren“ Buch & Kunst, Wien
2015 „Wendepunkt“, Galerie Alpha, Wien
2016 Amani Gallery, Wien
2016 Spurensuche | Tania Raschied & Faek Rasul
2016 Auf der Flucht, Art 3 Galerie Wien
2016 Hinter dem Schleier, Art 3 Galerie Wien
2017 „Spuren“, Kunstwerkraum Mesnerhaus, Mieming